FRANZISKUSKAPELLE, SARNTAL (SÜDTIROL)
Planung und Holzbau
Heinrich Hofmann und Harald Thaler, Rosenheim
Bauzeit
2012
Schmelzgläser
Ehe die Talfer von Norden kommend am Rand der Bozener Altstadt in den Eisack mündet, durchströmt sie als Wildbach das Sarntal, eine lange von der Massenzivilisation weitgehend unberührte Landschaft, „Abglanz eines versunkenen Reiches […], in dem dereinst der Bauer noch ein König war.“ (Josef Rampold, Bozen. Mittelpunkt des Landes an der Etsch und im Gebirge, Bozen, 4. Aufl. 1985) Das hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Auch für das Sarntal ist der Tourismus längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Eine Ahnung vom ursprünglichen Charakter dieses Landstrichs kann man bekommen, wenn man von Reinswald aufsteigend die 2012 errichtete Franziskuskapelle auf der Getrumalm erblickt.
Auf einer Höhe von 2.100 m erhebt sich der aus grob gesägten Brettern gefügte Bau wie ein Felsklotz auf dem kargen Boden. Er wirkt wie ein gewachsener Teil der Landschaft. Das Material ist Zirbenholz, der traditionelle Baustoff der Gegend. Wie dieses Material der Witterung trotzend altert, wie es eine graue Färbung bekommt, kann man an Almhütten und Weidezäunen beobachten.
Florian Lechner lässt in dieser archaischen Bergwelt mit seinen farbigen Gläsern ganz vorsichtig eine andere Dimension aufscheinen: Licht, das durch Ritzen zwischen den Brettern in den Raum fällt, gefiltert durch zwei nur acht Zentimeter breite Glasstreifen, einmal in Rot-, einmal in Blau-Grün-Tönen. Es bedarf nur dieser kleinen Lichter, um den Raum zu verwandeln. Die Struktur der Gläser spricht dieselbe Sprache wie die von Arbeitsspuren durchzogene Oberfläche des Holzes. Ein Zusammenklang gegensätzlicher Materialien, an einem „besonderen Ort, der viel mehr als alle anderen kulturellen Orte einer ist, in dem Kultur sich definiert aus der Verbindung von Gewachsenem, Natürlichem mit dem Künstlichen“. (Florian Lechner)