FLORIAN LECHNER
Decades of passion for glass
GLAS ist ein Grenzmaterial. Das Fenster ist ein Grunderlebnis, wenn man eine gläserne Skulptur sieht, dann schwingt das mit. Wir definieren den Raum, in dem wir stehen, als Innenraum und das andere als etwas „Jenseitiges“. Sehen wir durch eine gläserne Skulptur hindurch, nehmen wir zusätzlich auf, was dahinter ist – bewusst oder unbewusst. Von daher rührt die Beziehung des Glases zur Architektur, stärker als bei jedem anderen Material. Denn „Raum“ bringt sich in das Gebilde ein und wird zugleich durch dieses verändert. Indem man durch etwas hindurchsieht, kann man sich geistig hindurchbewegen. Das bedeutet, dass eine gläserne Plastik neben vielen Verführungen noch eine andere Möglichkeit bietet: das Wieder-Absehen von dem, was man wahrgenommen hat. Man könnte auch sagen: das Vergessen.
Florian Lechner 1984
aus „Florian Lechner und Glas“ Arnoldsche Art Publishers
In seiner Arbeit verbindet er all diese Bereiche und realisiert seine Kunstwerke – angefangen von der Idee über technische Neuentwicklungen und handwerkliche Gestaltung bis hin zum fertigen Werk.
Magdalena Froner, Bookazine StayinArt I/26
Vita Florian Lechner
Florian Lechner wird in München als Sohn des Musikers Konrad Lechner (Komponist, Cellist, Chorleiter des Münchner Bachvereins, Gründer und ehem. Dirigent der Bamberger Symphoniker) und der Cembalistin Irmgard Lechner geboren.
Bedingt durch die beruflichen Anforderungen seiner Eltern wächst er an unterschiedlichen Orten in Bayern und Österreich auf, bis er 1950 als Schüler in der Schule Schloss Neubeuern eine Heimat findet.
Nach seinem Schulabschluss beginnt der an Musik, Kunst und Architektur gleichermaßen interessierte Lechner das damals sehr vielschichtige Studium an der Werkakademie Kassel.
In diesem Zusammenhang reist er 1958 nach Frankreich, um bei Joseph Lacasse in Paris Malerei zu studieren. Lacasse, der für Lechner sowohl Lehrer, als auch väterlicher Freund wird, eröffnet ihm dort eine neue Welt und konfrontiert ihn stetig mit dem Thema „Licht“.
Auf Anraten von Lacasse unternimmt Lechner eine studentische Pilgerreise nach Chartres, wo ihm in der weltberühmten Kathedrale ein Schlüsselerlebnis widerfährt, das von nun an seinen Weg und sein Arbeiten prägen wird. Lechner beschreibt:
„Als mit Anbruch des Tages die Morgendämmerung durch die kunstvoll gestalteten Fenster der Kathedrale zu fallen beginnt, scheint sich das Licht im Glas regelrecht zu „materialisieren“.
Es „aktiviert“ das Glas so, dass dieses wiederum selbst zu einer Lichtquelle zu werden scheint.
Der ganze Raum, tausende von singenden Studenten und ich selbst, wir alle werden in ein Meer aus Farben getaucht.“
Die Fenster von Chartres, besonders ihr berühmtes „Chartres-Blau“ geben bis heute Rätsel auf und ziehen Lechner lebenslang in ihren Bann. Er konzentriert sein Schaffen von nun an auf die Verbindung von Glas und Licht.
1961 schließt er das Studium an der Werkakademie in Kassel mit Auszeichnung ab. Seine Vision des materialisierten Lichts weiter verfolgend, entwickelt er in Holland mit Floris van Tatterode das so genannte „Schmelzglas“, mit dem es erstmals möglich war, diaphane Wände ohne Beton oder Bleiruten zu bauen.
Auf dieser Technik beruhend entstehen in den Folgejahren eine Vielzahl von Werken, viele davon im Rahmen von Projekten in ganz Europa.
Mitte der 60er Jahre verlegt Lechner seinen räumlichen Schwerpunkt wieder nach Neubeuern. Neben seiner Arbeit als freischaffender Künstler wird er in Absprache mit dem Direktor der Schule Schloss Neubeuern zum Kunst-Vermittler. Neben verschiedenen experimentellen Werkstätten richtet er das erste Glas-Studio einer höheren Schule in Europa ein.
Dem immer größer werdenden Raumbedarf für Werke und Aufträge folgend, zieht Lechner 1980 nach Urstall bei Nußdorf, nahe des Inns. Dort baut er auf dem Gelände eines ehemaligen Betonwerks ein Atelier ganz nach seinen Anforderungen ein. Zentrales Element des Ateliers sind seine selbst konstruierten Öfen, in denen er auch die großformatigen Gläser für Projekte, wie z.B. den sieben Meter hohen Brunnen im Innenhof der Bayerischen Landesbank München oder die Gläser in der mittlerweile denkmalgeschützten Kirche St. Canisius in Freiburg fertigt.
Lechner setzt die Weitläufigkeit des Ateliers ein und erarbeitet in Urstall seine persönlichen Dimensionen von Glas: LICHT – RAUM – KLANG. Diese macht er erlebbar, indem er sein Atelier nicht nur als Werkhalle und Ausstellungsfläche, sondern immer wieder auch als Konzertbühne und Veranstaltungsfläche für eigene Aufführungen und die befreundeter Künstler nutzt.
Florian Lechner feierte im Jahr 2025 das 45-jährige Jubiläum seines „Atelier Urstall“, anlässlich dessen ein Jahresprogramm mit Konzerten, Ausstellungen und weiteren Veranstaltungen stattfand.
In diesem Rahmen wurde in der Galerie im Alten Rathaus in Prien am Chiemsee vom 01.03.-10.05.2025 auch die Ausstellung „Florian Lechner – Fritz Harnest – Glas.Klang.Farbe“ gezeigt.