ST. JOHANNES, HORNBERG (SCHWARZWALD)

Architekt
Rainer Disse, Karlsruhe
Bauzeit
1970– 1972

Altar, Tabernakel, Altarschranken, Ambo, Kerzenleuchter, Taufe, Weihwasserbecken,
Fenster

Die Pfarrkirche St. Johannes ist ein überzeugendes Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Architekten Rainer Disse und dem Künstler Florian Lechner, dem die Gestaltung des Innenraums oblag. Der annähernd quadratische, in Sichtbeton ausgeführte Raum und seine Ausstattung erscheinen wie aus einem Guss. Durch schmale Fensterbänder zwischen Wand und Decke fällt etwas Licht, so dass der Raum in geheimnisvollem bergendem Halbdunkel liegt. Umso deutlicher treten die zentralen
Bereiche der Liturgie hervor, in der Mitte der Ort der Messfeier mit Altar und Tabernakel, vor der Rückwand der Ambo als Ort der Verkündigung und, etwas abgerückt, der Taufbezirk; sie werden durch drei große zylindrische, von der Decke in den Raum ragende Lichtschächte erhellt. Neben Beton bestimmt ein weiterer moderner Werkstoff den Charakter des Raumes, Chrom-Nickelstahl. Für den Fuß des Altars, den Ambo, die Altarschranken mit Kerzenleuchtern, selbst die Weihwasserbecken hat Florian Lechner dieses Material verwendet.

Kontrastierend zu der kühle Strenge ausstrahlenden Anmutung von Beton und Stahl setzt Lechner seine Schmelzgläser ein. An der Außenseite treten sie als blaue Flächen in Erscheinung, die zwischen kräftigen Betonpfeilern im Sockelbereich der hohen
glatten Betonfassade einen farbigen Akzent setzen. Sie bildet die Rückwand der Werktagskapelle, die sich unterhalb des Niveaus des Hauptraums befindet. Während für die äußeren Fensterzonen ein Blauviolett bestimmend ist, hellen sich die Blautöne nach der Mitte zu auf, bis im schmalen Mittelfeld der Umschlag über Weiß zu Gelb- und Orangetönen erfolgt. Da in der Kapelle der Blick von schräg oben auf die tiefer liegende Wand fällt, kann der Besucher die tatsächliche Ausdehnung der Fenster nur erahnen. Zusammen mit den vorherrschenden Blautönen verleiht diese Anordnung dem Raum eine weit über seine tatsächliche Größe hinausreichende Tiefe.

Beherrschender Akzent des Kirchenraums ist eine von allen Seiten sichtbare, vier Meter hohe Glasstele. Sie ist aus zwei halbkreis – förmigen Schalen gebildet und trägt in der Mitte den Tabernakel aus Edelstahl. Für diese Stele hat Florian Lechner farbloses optisches Glas verwendet, kräftig strukturiert, mit Schlieren und Blasen durchsetzt, die an einigen Stellen zu Löchern aufgebrochen erscheinen. Aus Schmelzglas besteht auch die auf einer stählernen Spirale ruhende Taufschale, deren farbloser Rand und dunkelblaue Mitte den bereits bekannten Farbklang noch einmal aufgreifen.
In ihm treffen sich Dunkles und Helles, Licht und Finsternis und verweisen auf die hinter den sichtbaren Phänomenen verborgenen Mysterien des Glaubens.