EVANG.-LUTH. PETRIKIRCHE, BALDHAM BEI MÜNCHEN

Architekt
Detlef Wallishauser, Rosenheim
Bauzeit
2010/11

Raum der Stille in der Unterkirche
Konzept für Innen- und Außenraum, Prismen-Säule 

Die Unterkirche ist eine Stätte für private Einkehr, für Meditationen und für Gottesdienste in kleinem Kreis. Florian Lechner hat sie so konzipiert, dass sie eng mit dem in der Art eines Amphitheaters angelegten Außenraum korrespondiert, von dem aus der Raum im Souterrain sein Licht erhält. Eine aus sieben Scheiben bestehende Fensterwand trennt die beiden Bereiche. Der Eingang wurde von Florian Lechner so gelegt, dass man den Raum in der Diagonalen und nicht frontal zur Glaswand betritt. Obwohl nicht sehr groß, öffnet er sich so dem Blick erst allmählich. Die Scheiben sind strukturiert von springbrunnenartigen Bögen, die, vom Zentrum ausstrahlend, an die Rechung eines Zen-Gartens erinnern.

Das Licht dringt ein, fängt sich an den Erhebungen, bricht sich, wird reflektiert, gebündelt und umgelenkt. So wird es sichtbar und vervielfältigt sich. Das Außen ist wahrnehmbar, bleibt aber schemenhaft.

Vor der mittleren Scheibe erheben sich deckenhoch drei Prismen – ein mächtiges Symbol der Trinität. Sie bilden ihrerseits ein Dreieck, vorne zwei gläserne in blau und rot, dahinter, in ihrer Mitte, eines aus vergoldetem Edelstahl, das in Deutsch und Griechisch mit den Schriftworten versehen ist: „So schaue darauf, dass das Licht in Dir nicht Finsternis sei.“ (Lk 11,35) Um sie zu lesen, muss man sich bemühen und nah herantreten. „Die Säulen sind vielschichtige Werkzeuge materieller und geistiger Art: Die goldene Lichtsäule ist zugleich statische Stütze des darüber liegenden Kirchenraums. Die blaue und die rote Säule sind bei nicht-fokussierender Betrachtung geeignet, den Betrachter in eine sich überlagernde Farb-Wahrnehmung einzustimmen – Einführung in einen meditativen Zustand.“ (Florian Lechner) Vervollständigt wird Florian Lechners künstlerische Gestaltung des Raumes durch eine transparente Glasschale mit einem schmalen blauen Kreuz. Sie steht auf einem in den Boden eingelassenen Kreis aus Granit, der sich im Freien fortsetzt, Innen- und Außenraum verbindet, und von den Granitstufen des Amphitheaters als einladende Geste im selben Material aufgenommen wird. (Anja Dollinger)